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Dienstag, 10.Mai 2011 - Stuttgart, Theaterhaus

Anreise mit kleinem Umweg über Winterbach, wo Kerstin, die Frau vom „berühmten Herrn Hentschel“, anlässlich ihres Geburtstags geherzt werden muss. Rharbarberkuchen, frische Erdbeeren und ein Fingerhut Sekt, dann geht’s auch schon weiter nach Stuttgart, um für Olivers Heimspiel aufzubauen. Der Zufall will, dass es fast genau zwanzig Jahre her ist, dann wir uns kennengelernt haben. Im Mai 1991 hatte er mich während der Stuttgarter Signierstunde für „Auskunft“ gefragt, warum wir eigentlich „Jriefbar noh“ nicht auf der Setliste stehen hätten.
So langsam muss ich jetzt mal aufpassen, nicht allzu viele Interviews zum Thema „Bob Dylan wird 70“ zu geben. Die Anfragen werden immer mehr (heute mache ich beispielsweise eins mit einer ausgesprochen gut vorbereiteten Frau von SWR 1), aber ich kann halt immer nur Dasselbe auf die gestellten Fragen antworten. „Like a Rolling Stone“ war nun mal „mein persönlicher Urknall“, da lässt sich nichts mehr dran ändern. Habe Befürchtungen, dass ich im Zeitraum rund um den 24. Mai damit den geneigten Radiohören bzw. Fernsehzuschauern auf den Wecker gehen könnte. Andererseits fühle ich mich natürlich auch geehrt, dass sie alle etwas von mir zum Thema „Faszination Dylan“ hören wollen. Werde diesbezüglich wohl meinen Nackenhaaren vertrauen müssen.
Zu Recht erwähnt Oliver in seiner heutigen Einführung, dass die Stuttgarter BAP-Auftritte immer zu den besten der jeweiligen Tourneen zählen, die Latte liegt also hoch. Reiße sie nicht, seine nahezu vollständig angetretene Familie darf zufrieden sein. Irretierend für mich allerdings, was Oliver mir nachher von einem aufgebrachten BAP-Fan erzählt. Dieser habe auf ihn und die Umstehenden nicht nur unangenehm aggressiv gewirkt, sondern ihn auch gefragt, warum der Major so „extrem schlecht“ im Buch wegkomme, er habe es irgendwann vor lauter Wut darüber an die Wand geschmissen. Für mich bleibt es unbegreiflich, wie jemand, der nun definitiv die Jahre unseres Tauziehens „Internationaler Pop-Rock vs. Kölschrock“ nicht im inneren Kreis miterlebt hat, sich darüber ein Urteil erlauben will. Es bleibt dabei: Ich werde mich erstens nicht zum öffentlichen Waschen schmutziger Wäsche hinreißen lassen, zweitens geht auch nicht alle Alles was an, und drittens haben Oliver und ich uns alle erdenkliche Mühe gegeben, über sämtliche Weggefährten mit größtmöglichem Respekt zu schreiben oder sie im Zweifelsfall besser einfach nicht zu erwähnen, damit auch zwölf Jahre alte und noch ältere Wunden endlich mal eine Chance bekommen zu verheilen. Wer dermaßen verbohrt ist, dass er sich bis in alle Ewigkeit weigern will, das zu begreifen, tut mir genaugenommen nur noch leid. Wäre ich noch respektvoller mit Major umgegangen, wäre das auf Geschichtsklitterung rausgelaufen. Basta!