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Berlin / Accra (Ghana)

Der Wecker klingelt um 3:30 Uhr, meine innere Uhr war allerdings noch früher am Start. Didi, der bei uns geschlafen hat, geht es genauso. Einen Tee und über menschenleere Straßen zum militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens, von wo aus wir mit dem hier stationierten Präsidenten-Airbus erst mal nach Berlin fliegen, um dort mit der eigentlichen Entourage zusammenzutreffen. Für uns beide gibt es netterweise eine Ausnahme, weil wir für diese Reise nach Ghana ein wenig Equipment mitnehmen, damit eventuelle musikalische Beiträge meinerseits diesmal nicht erneut dermaßen improvisiert und nur mit viel Glück, wie seinerzeit in Uganda, Sierra Leone und Benin über die Bühne gehen müssen.

Bundespräsident Köhler hat mich nämlich erneut eingeladen mit ihm und seinem Tross nach Afrika zu fliegen, wo diesmal in der ghanaischen Hauptstadt Accra, die zweite der von ihm initiierten „Partnerschaft mit Afrika“-Konferenzreihe stattfinden wird. Die erhoffte Überraschung der frühen Morgenstunde ist dann Anthony Baffoe, der (u.a.) ehemalige Fortuna – und FC-Spieler, den ich vor ca. 2 Jahren außerfahrplanmäßig mit „Gemeinsam für Afrika“ zusammengebracht habe, was wiederum zur Folge hatte, dass die afrikanischen Mannschaften der WM 06 dann allesamt über den Umweg „Puma-Sponsorship“ die G.f.A. –Idee promotet haben. Anthony ist der Sohn eines ghanaischen Botschafters der 60er Jahre, in Bad Godesberg aufgewachsen und vor allem jemand, der nicht vergessen hat, wo seine Leute herkommen. Momentan arbeitet er im Auftrag der ghanaischen Regierung, für die dortige Nationalmannschaft, die im 50stigen Jahr der Unabhängigkeit Ghanas ganz besonders während des Afrika-Cups unter Beobachtung steht.

Jedenfalls hat der Bundespräsident auch ihn zu dieser Reise eingeladen und auch er kommt in den Genuss des Privilegs, heute mit diesem völlig leeren Präsidentenflugzeug nach Berlin zu fliegen. Von da aus geht es dann um 8:00 Uhr über die Alpen, das Mittelmeer, Algerien, Niger (hart an der Grenze zu Mali) nach Accra. Unfassbar wie lange der Teil der Reise über die Sahara dauert. Muss immer wieder an die Schilder im marokkanischen Zagora denken, auf denen die Distanz bis Timbuktu mit 52 Tagesritten beziffert wird. Jedenfalls für Karawanen.

Mit einer Stunde Zeitverschiebung landen wir um 14 Uhr. Empfang mit militärischen Ehren, inclusive einundzwanzig Böllerschüssen, Hymnen, rotem Teppich und was sonst noch dazu gehört. Dann einchecken ins „La Palm Royal Beach Hotel“ und ohne irgendeine Gelegenheit zur Akklimatisierung unmittelbar zu einer Gesprächsrunde mit deutschen Experten, Vertretern von Hilfsorganisationen, Stiftungen, Goethe-Institut, DAAD, etc., in der wir optimal mit Klartext-Einschätzungen über den hiesigen Statu Quo versorgt werden.

Ganz so Musterländle-mäßig scheint sich Ghana dann offensichtlich doch nicht entwickelt zu haben, trotzdem ist man sich einig, dass hier in Relation zu den Nachbarländern deutlich mehr funktioniert. Abends dann ins Congress-Center zum offiziellen Begrüßungsempfang, noch ein Bier mit dem Bundespräsidenten und seinen Sondergästen in der Hotelbar, Resumée ziehen und um 11:30 fix und fertig ins Bett. Et woor schön, ävver anstrengend.