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Baden-Baden, Bochum, Köln

Nach dem Frühstück kutschiert Didi Helmut und mich nach Baden-Baden zum SWR, wo diverse Radiosendungen und eine TV-Aufzeichnung zu absolvieren sind. Die ersten Kritiken zum Album und zum gestrigen Abend trudeln ein und wie es aussieht, haben wir Rückenwind. Sogar die Single läuft ordentlich im Radio. Sollten wir etwa einen Hit haben?!

Nachdem die letzte Sendung des Tages live über den Äther gegangen ist und wir die Minute Null des Erscheinungstags noch im Studio erleben, geht es zurück auf die Autobahn. Gegen drei Uhr morgens steigen wir bei mir zuhause die Treppe hoch. Es folgt noch ein kleiner Schlummertrunk auf Didi, den Held des Tages, der an diesem Tag ca. 900 km auf der Uhr haben dürfte, und ab in die Federn.

Freitag morgen um halb elf holt Stephan Tina und mich ab. Es geht nach Bochum, wo heute der Dalai Lama im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Herausforderung Zukunft" spricht. Überschattet wird sein Besuch in Deutschland natürlich von den pro-tibetischen bzw. anti-chinesischen Demonstrationen im Vorfeld der Pekinger Olympiade. Allein das Hick-Hack um die Frage, für welchen Politiker welcher Partei es politisch korrekt ist, sich mit diesem Gelehrten zu treffen, ist an Peinlichkeit und Respektlosigkeit wohl kaum zu überbieten.

Irgendwann im Laufe des Tages ist ein Gespräch mit dem Dalai Lama, dem stellvertretendem Chefredakteur des Kölner Stadtanzeigers und mir geplant. Was dann aber letztendlich doch nicht zustande kommt, weil der komplette Tagesablauf des Vortragsreisenden offensichtlich aus den Fugen geraten ist.

Für mich persönlich nicht wirklich ein Problem, denn mir ist bewusst, dass man mehr, als er auf der Bühne des Bochumer Congresszentrums gesagt hat, auch unter sechs Augen nicht aus ihm heraus gekriegt hätte (zumal zwei Augen davon die eines Journalisten gewesen wären). Dafür ist die Situation, in der sich die deutsch-chinesische Diplomatie augenblicklich befindet, zu kompliziert.

Es ist bitter, tatenlos zusehen zu müssen, wie sich der chinesische Maulkorb bis in unseren Kontinent auswirkt. Ein ungutes Gefühl sagt mir, dass da noch einiges auf uns zukommt. Jedenfalls bin ich zutiefst beeindruckt von diesem ebenso bescheidenen wie eloquenten, unprätentiösen, humorvollen Weisen, der seine Religion als eine unter vielen ansieht, niemanden abwerben will und zu gegenseitigem Respekt aufruft. Nicht auszudenken, wenn die Katholiken ein solches Oberhaupt hätten.